18.7.2021 - Sommersegelurlaub - Samsoe rund und Aarhus

Der sachkundige Leser wird diesem Bild eine Botschaft entnehmen können:

Die Botschaft lautet: Noch ist die Santanita fest vertäut an ihrem Liegeplatz, aber alles ist vorbereitet: Bald machen wir den Platz frei für Gäste und kommen erst in drei Wochen wieder zurück. Wir freuen uns sehr auf unseren Sommersegelurlaub!

In unregelmäßigen Abständen wollen wir an dieser Stelle von unseren Erlebnissen berichten - für Daheimgebliebene, Landratten, Freunde.....

19.7.2021
Der Tag hätte einen grauenhaften Verlauf nehmen können, nur Billy Joel konnte es vermeiden....
Nachdem wir am Vorabend unsere drei-Wochen-Heimat bezogen und am Abend beim Italiener in Schilksee eine Urlaubsbeginn-Pizza nebst Lambrusco zu uns genommen haben, sind wir hundemüde, aber voller Vorfreude in den Schlaf gefallen.

Am Morgen schlugen wir die Augen auf und haben uns gefreut über die gut verbrachte Nacht. Dann hat die Brodfrau begonnen, von den jüngsten Erfahrungen bei ihrer neuen Tätigkeit zu berichten. Dabei erwähnte sie den Schlager 'Du kannst nicht immer 17 sein' (Chris Roberts, 1974), der sich augenblicklich in das Gehör des Skippers einbrannte und als extrem lästiger Ohrwurm den Tag zu versauen drohte. Erst gezielte Beschallung durch US-amerikanische Singer/Songwriter-Kultur (Piano-Man, Italian Restaurant usw.) von oben genanntem Megastar konnte den Schmerz verdrängen.

Gegen 11:00 Uhr machten wir die Leinen los. Kurz vorher verließ die X-95 zweier Vereinskameraden mit demselben Ziel den Hafen. Wir gewährten ihnen den Vorsprung, empfanden aber sofort den herausfordernden Drang, die X einzuholen. Der frische Nordost ließ unsere Santanita gute Fahrt machen, allerdings stand eine alte Welle gegenan, so dass wir einige Male hart aufschlugen und massiv gebremst wurden. Mit etwas höherem Kurs holten wir auf und konnten nach zwei Dritteln der Strecke abfallend an der X vorbeiziehen.

Dann fuhren wir jedoch in die Landabdeckung durch die Insel Aeroe und Welle und Wind ließen deutlich nach. Mit den geänderten Bedingungen kam die X wieder auf und wir liefen ungefähr zeitgleich in die Rinne von Marstal. Zu einer ausführlichen Nachbereitung der 'Regatta' mit gemeinsamem Erfrischungsgetränk kam es am Abend leider nicht, weil die beiden X-Segler an Marstal vorbei fuhren, um einen entfernteren Hafen anzusteuern.

Die Marina von Marstal  war total überfüllt, ein regulärer Liegeplatz war nicht zu finden. Der Sportskamerad von der SY Lucille schlug einen rustikalen Liegplatz quer hinter zwei Boxen vor. Als wir den schließlich kunstvoll vertäut hatten, bot der Skipper der Yacht, die wir 'eingeparkt' hatten, an, seinen Liegplatz aufzugeben. Dankbar haben wir den angenommen und in einer zweiten Geschicklichkeitsübung deren Platz eingenommen - endlich waren wir wirklich angekommen.

Erfreulicherweise gibt es im Hafen eine "Burger-Perle", die ihrem Namen alle Ehre machte und uns leckere, ungesunde Nahrung bereitete. Die dänischen Pommes suchen ihresgleichen, absolute Referenzfritten!
Nach einer Dusche kamen wir zur Ruhe und ließen den Abend ausklingen bei Rotwein vom Vereinskameraden, der uns spontan besuchte. Ein sehr schöner erster Urlaubstag - dank Billy Joel!

20.7.2021
Nach dem Erwachen aus dem komaartigen Schlaf schmiedeten wir den Plan für den Tag. Knackger Nordost und die Perspektive auf Beruhigung am kommenden Tag ließ uns den Entschluss zu einem Hafentag fassen. Wir machen es uns gemütlich und kaufen ein bisschen ein, um ggfs. ein oder zwei Tage ohne Landgang auf dem Boot leben zu können. Marstal ist ordentlich belebt. Man merkt die Coronaseuche an keiner Stelle. Schade ist, dass der kleine Bäcker im Ort seinen Laden aufgegeben hat. So gibt es Backwaren nur noch im Supermarkt - ziemlich unromantisch.
Für gutes Hafenkino sorgt unser Liegeplatz: wir liegen mit dem Heck an der Rinne, durch die alle Boote zu den Stegen fahren. Auf Höhe einer roten Tonne ist die Rinne ordentlich versandet, so dass fast jedes dritte Boot einmal 'nickt' oder ganz stecken bleibt. Alle Schlickrutscher kommen wieder frei, aber überraschte Gesichter gibt es viele!

21.7.2021 (verfasst von der Bordfrau)
Heute früh um 8.45 Uhr heißt es: Bye bye, Marstal! Auf in den Norden!
Und zwar so lange, wie uns der Wind antreibt......
Das haben sich wohl auch so manch andere gedacht, denn die Boote reihen sich wie an einer Perlenschnur in der Rinne von Marstal aneinander.
Das leichte Ölzeug bewährt sich bei Westwind mit 3-4 Beaufort, bedecktem Himmel und einsetzendem Nieselregen.
Die Bordfrau hat sich für diesen Urlaub mit dem neuen Boot vorgenommen, täglich mindestens eine Stunde lang das Ruder in die Hand zu nehmen, und so steuert sie die Santanita bis nach Rudkøbing, wo dann der Skipper übernimmt und das Schiff vorbei an Tåsinge und Thurø führt.

Svendborg lassen wir sprichwörtlich links liegen und machen uns auf den Weg höher in den Norden.
Nun ist die Navigation auch einfacher, die belebten Rinnen von Marstal und Rudkøbing sowie die Brücke liegen hinter uns, der Nieselregen hat ein Erbarmen und verlässt uns.

Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt für ein paar Schweinswale oder einen tanzenden Delphin. Wir hätten auch nichts gegen einige fliegende Fische, aber sie alle bleiben eine Tagträumerei. Wer weiß, was der Urlaub noch so bringt. Immerhin wurden wir in Marstal zuvor ja schon Zeuge einer kleinen Windhose, die sich wie aus dem Nichts rasant in einer Pappelallee aufbaute, um sich im nächsten Moment wieder spektakulär in Luft aufzulösen. Zauberei.

In Höhe des idyllischen kleinen Hafens Lundeborg an der Ostküste von Fünen nimmt der Wind merklich ab, es ist 14 Uhr, und wir beschließen, hier festzumachen, wenn der Wind es denn so will. Allerdings haben wir wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht, wie es so schön heißt, denn als wir in den Hafen einlaufen, dürfen wir elegante Dreierpäckchen und andere Bootkuscheleien in der Schneckenform des Hafens bewundern. Drei weitere Yachten tummeln sich in der Hafeneinfahrt, so dass wir den Rückwärtsgang einlegen und beschließen, weiter gen Norden zu segeln.
Also das Groß wieder hoch und die Genua ausgerollt..... Jedoch ist die Segelei so schläfrig, dass auch der Bordfrau die Augen zuklappen und ihr Kopf nach vorne zu fallen droht. Der Skipper schmeißt deshalb den Motor an, und die restlichen Meilen zu dem ehemaligen Fährhafen Nyborg mit seinem hübschen Schloß werden motort. Eine Reisebiene begleitet uns.

Wir bewundern noch die Große-Belt-Brücke, ohne sie zu passieren, und suchen uns im Bootshafen von Nyborg ein tolles Plätzchen, an dem wir längsseits rückwärts anlegen. Nyborg heißt uns um 17 Uhr willkommen!!!!!!

22.7.2021
Der Liegeplatz in Nyborg erweist sich als echter Luxus: Nah am Zentrum, direkt vor den neuen Gebäuden des Hafenkontors, mit erstklassigem Funk-Internet - klasse. Einzig die Nachbarschaft trübt ein wenig die Freude: Die beiden Söhne knattern stundenlang johlend mit einem Motorschlauchboot durch das Hafenbecken und die Eltern freuen sich lautstark mit zwei anderen Paaren.
Am späteren Abend kommt noch ein Schleppverband rein - ein Skipper hat ein in der Flaute treibendes H-Boot mit Motorschaden aufgenommen und das junge Paar vor der gigantischen Brücke über den großen Belt ans Seil genommen.
Um 6:24 Uhr ist die Nacht zuende: Die Nachbarschaft legt mit dem großen Motorboot ab, nicht ohne sich von den Freunden zu verabschieden. Die Bordfrau der Santanita ist augenblicklich hellwach, und ihre innere Aufgewecktheit strahlt auf den Skipper aus, dessen Nachtruhe somit ebenfalls beendet ist. Wir beginnen den Tag mit einem kleinen Rundgang durch die hübsche Stadt und einen Besuch beim Bäcker. Nach dem Frühstück beginnt es zu nieseln. Wir ziehen uns unter Deck zurück und ergänzen ein wenig die zu kurze Nachtruhe. Geweckt werden wir diesmal von der erfolgreichen Reparatur des Außenbordmotors des H-Bootes.
Einige Zeit nachdem der Mechaniker das junge dänische Paar verlassen hat, wollen die Beiden den Hafen verlassen, aber der Motor streikt erneut. Dennoch treten sie die Heimfahrt nach Kerteminde an, mangels Motorkraft unter Segeln. Wir finden das ziemlich optimistisch, denn für den Nachmittag ist erneut eine deutliche Flaute prognostiziert.
Dieser Umstand und eine spontan entstandene Mischung aus Helfersyndrom und Aktivitätsüberschuss lassen uns doch noch ablegen, Nyborg verlassen und den Beiden folgen. Möglicherweise könnten wir heute die Abschlepper sein. Und überhaupt: Wir wollen weiter!
Die Brücke über den Großen Belt ist gigantisch. Wir philosphieren, ob derartige, menschengemachte Bauwerke Fluch oder Segen sind.

Der Fehmarn-Belt-Tunnel wird zum Thema. Wir befürchten, dass der Eingriff zu groß ist und der Nutzen hauptsächlich wirtschaftlich. Muss man alles machen, nur weil es möglich ist?
Kurz vor der Durchfahrt unter der Brücke schläft der Wind ein - wie angesagt. Unser kleiner Diesel schiebt uns unter dem Stahlbeton durch und danach über die spiegelglatte See gen Kerteminde. Plötzlich schnauft und platscht es direkt an unserer Seite: Vier Schweinswale umspielen die Santanita und planschen im Kielwasser. So dicht hatten wir die kleinen Säuger noch nie erlebt und uns erfasst eine Gefühlsmischung aus Freude und Pein, weil wir mit unserem Motor die Ruhe und die Unversehrtheit missachten. Ein paar Meilen später sichtet die Bordfau einen weiteren Schweinswal, diesmal weit entfernt.
Gegen 16:15 Uhr laufen wir in der Marina Kerteminde ein, ganz klar viel zu spät, um noch auf einen Liegeplatz hoffen zu können. Der große Hafen ist total überfüllt. Wir laufen gleich wieder aus und fahren in den Handelshafen nebenan. Dort legen wir uns als drittes Boot ins Päckchen. Wir wollen nicht x-fach über die fremden Boote klettern und beschließen, nach dem Einkauf und dem Abendessen, an Bord zu bleiben. Morgen früh wollen wir im Zuge der Abfahrt der Yachten in der Marina einen regulären Liegeplatz erkämpfen.

23.7.2021
Der Plan gelingt: Durch frühes Aufstehen gelingt es uns, gegen 8:00 Uhr einen Liegeplatz in der Marina zu ergattern. Tatsächlich haben wir sogar ein bisschen Auswahl und wählen einen Platz, an dem die Abendsonne ins Cockpit scheinen wird. Wir machen Klarschiff inklusive Deckschrubben und nehmen das Frühstück, begleitet von allerhand Ab- und Anlegeaktionen anderer Boote.
Kerteminde ist ein richtig netter, kleiner Ort. Wir spazieren durch das 'Zentrum' und finden einen hyggeligen Garten hinter dem Museum für historisches Handwerk. Was für ein Idyll! Wir trinken dort einen Kaffee und genießen die Atmosphäre zwischen Blumen und Schmetterlingen.

Vorher haben wir die Galerie KIK besucht, wo Daniela eine kleine Fachsimpelei zur Aquarellmalerei mit einer ausstellenden Künstlerin hielt. Passend zur bildnerischen Kunst gibt es handgemachte Musik mit einem sehr speziellen Instrument, einer Knopfgriff-Melodica.

Der Rundgang dauert nicht ewig und wir setzen uns mit unserer Trophäe, einer Portion leckerster, vollreifer Erdbeeren ins Cockpit unseres wunderbaren Bootes.
Am Abend wird gegrillt und es gibt Aperol Spritz an Bord. Ein riesiger orangeroter Vollmond begleitet uns in die Nacht.

24.7.2021
Die Wetterprognose bestimmt unser Handeln: Für den Nachmittag ist ordentlich Wind angesagt und wir haben keine Lust auf Hardrock-Segelei. Also bleiben wir einfach hier. Das Erlebnisangebot von Kerteminde ist noch nicht ausgeschöpft und uns steht der Sinn nach Relaxing.
Am Morgen nehmen wir ein Bad am Strand. Das belebt den Geist und den Körper.
Schon nach dem Frühstück glüht die Sonne derartig, dass ein schattenspendendes Tuch über dem Cockpit aufgespannt werden muss. Darunter baut der Skipper sein mobiles Büro auf und widmet sich ein wenig der Realität des Lebens: Der Segelverein will im Herbst seine große Nachwuchsregatta ausrichten, den Goldenen Opti. Dafür sind vorbereitende Dinge zu tun.
Die Bordfrau gibt sich derweil der Kunstausübung hin und skizziert den Partner. Es entsteht ein lustiges Bild.

Derart ausgelebte Kreativität erzeugt ein Hüngerchen, das wir mit etwas Räucherfisch und Salat befriedigen.

Ein Spaziergang auf die Südseite des Fischereihafens verschafft uns weitere Eindrücke des liebenswerten Städtchens Kerteminde. Es wachsen verträumte Gedanken an einen Ruhesitz.
Am Abend kommt der Wind, wegen dessen wir den Hafen nicht verlassen haben. Die Wetterprognosen funktionieren also, wenngleich etwas zeitverschoben.

25.7.2021
Ein weiterer sonniger Tag mit tüchtig Wind - der Rest von dem, was am Abend vorher begann. Beim Frühstück nimmt das Boot im Liegeplatz richtig Lage.

Am Vormittag erhalten wir gleich mehrere Einladungen: Die SY Eule lädt zum Kaffee am frühen Nachmittag und die Segelyacht Hedda schlägt ein Treffen am kommenden Tag in der Ankerbucht von Langör vor. Beiden Verabredungen wollen wir folgen.
Zunächst steht aber das FjordBaelt-Aquarium an. Dort wird umfangreich informiert über die Bewohner der Meeresregion, die Veränderungen und den Zustand. In einem großen Außenbereich werden zu Forschungszwecken ein paar Seehunde und drei Schweinswale gehalten und den Besuchern zu regelmäßiger Stunde während der Fütterung präsentiert. Seehunde bzw. Kegelrobben kennen wir aus dem Becken des Kieler Institut für Meereskunde. Die Schweinswale jedoch nehmen uns voll in Beschlag. Ganz offensichtlich gibt es da eine große Nähe zu den Pflegern. Die kleinen Säuger spielen mit den Menschen und lassen sich verwöhnen. Trotz der dargebotenen Nähe wissen wir, dass der verantwortungsvollste Umgang mit den frei lebenden Tieren eine respektvolle Distanz ist.

Auf der SY Eule werden wir mit Kaffee und Kuchen verwöhnt. Ausgiebiges Geplauder mit dem erfahrenen Seglerpaar lässt uns bis zum späten Nachmittag verweilen. Erst kurz vor Schließung schaffen wir es noch in den örtlichen Supermarkt, um uns für die kommenden Tage zu versorgen, an denen wir absehbar nicht einkaufen können werden.
Wir haben keine Lust mehr, die eigene Pantry zu aktivieren und gönnen uns am Abend eine Pizza bei Kerteminde's Italiener Nummer 1.

26.7.2021
Der Starkwind ist Geschichte. Wir setzen die Segel und nehmen Kurs auf die Ankerbucht von Langör. Dort sind wir mit der SY Hedda verabredet. Die Fahrt verläuft abwechslungsreich: Hoch am Wind aus der Kertemindebucht, dann etwas tiefer als mit halbem Wind gen Norden. Der Sipper hat's vorhergesehen: Die Santanita wird langsam und andere Boote fahren vorbei. Während wir den Genacker vorbereiten, rufen wir einem Überholer zu 'Gleich kommen wir wieder!'. Als der Genacker dann steht, scheint die Ankündigung sich zu bewahrheiten.

Zügig holen wir zu der erheblich größeren Yacht auf. Das bleibt nicht unbemerkt und plötzlich beginnt dort reges Treiben an Deck und auf dem Vorschiff. Vorluk auf, Vorluk zu, Genua rein, Genua raus - laute Rufe und irgendwann zieht sich eine Textilwurst den Mast herauf. Mit geblähtem Spi beschleunigt das Schiff, fällt noch etwas ab und nimmt Kurs auf Nimmerwiedersehen.
Nach zwei Dritteln der Strecke lässt der Wind nach. Eine tiefschwarze Wolke mit gelegentlichem Blitz und Gegrummel zieht auf uns zu. Wir bergen das große Vorsegel und bereiten uns auf das Unwetter vor. Aber wir haben Glück: Ein paar mittlere Böen und ein paar Tröpfchen bleiben alles, was wir auszuhalten haben. Beim Einlaufen in die betonnte Rinne zur Ankerbucht ist es tiefgrau und es gibt ein Regen. Aber all das ist fern von dem, was die Hedda, die bereits am Ankerplatz liegt, ihren Berichten zufolge erlebt hat: Heftige Gewitterböen mit Starkregen und durch den Sturm abreißende Wellenkronen - das will man nicht. Wir sind froh, dies nicht abbekommen zu haben.
Wir ankern im Päckchen in der idyllischen und ruhigen Bucht. Überraschenderweise liegt auch eine weitere ELAN 310 direkt 50 Meter neben uns.

Nach dem Abendessen tauschen wir uns bei einem Erfrischungsgetränk aus über die bereits abgesegelten Etappen, die besuchten Häfen und einfach Dütt un Datt, und wir planen den nächsten Tag.

27.7.2021
In der Ankerbucht gibt es nichts außer Ruhe. Die wird aber am Morgen sehr früh gebrochen durch die Motoren der auslaufenden Yachten und durch die Ketten auf den Ankerwinschen. Auch wir holen nach dem Aufstehen und einem Kurzfrühstück das Eisen vom Grund (allerdings mit Armkraft) und machen uns auf, herum um die Nordspitze von Samsö und wieder südwärts, um auf der Westseite den Hafen von Marup anzusteuern. Die Hedda tut dies auch und so haben wir selbstverständlich eine Vergleichssituation. Obwohl wir früh die Maschine gestoppt haben und uns von der motorenden Yacht überholen ließen, haben wir sie an der Nordspitze wieder gehabt. Dann wählen wir aber die schlechtere Strategie und kommen als Zweite an. Wir einigen uns auf ein "Unentschieden".
Die Natur von Samsö ist, wie man sie erleben will: Während an der Nordspitze die Sandbänke weich und lang ins Wasser münden, stehen an der Westküste schroffe Steilküsten. Was wir sehen, mutet an wie ein Bilderbuch: Auf einer Küstenweide grasen ein paar Kühe, Getreidefelder wiegen sich in den Böen. Vor dem blauen Himmel ziehen ein paar dramatische Wolken schnell vorüber. Neben dem kleinen Mastenwald des Hafens stehen ein paar Häuschen.

An den Stegen sind reichlich Plätze frei, so dass wir wieder mit den Freunden zusammen liegen können. Bei einem Spaziergang durch die Umgebung entstehen viele Bilder, aber ein Fotoapparat kann die Eindrücke nur sehr unvollkommen festhalten.

Zurück im Hafen gibt es Erdbeeren, die durch die Sommersonne reif und süß geworden sind.

Leider ist auch an diesem Tag nicht mehr viel dran und so halten wir es wie am Vorabend: Mit den Freunden Moni und Andi von der Hedda wird ein Gläschen genommen und die Strategie für die kommenden Tage erörtert. Es steht eine Starkwindphase an, die wir in einem Hafen abwettern wollen, der uns etwas Unterhaltung bieten kann. Unsere Wahl trifft auf Aarhus, die zweitgrößte Stadt Dänemarks.

28.7.2021
Auch der Schlag nach Aarhus könnte zur Wettfahrt werden. Allerdings entscheiden wir uns angesichts der knackigen Windvorhersage für ein gerefftes Großsegel, was auf dem ersten Drittel der Etappe klar zu wenig Fläche für schnelles Vorankommen bietet. Dennoch sind wir über den reduzierten Vortrieb später sehr dankbar. Nach einer äußerst ergiebigen Regenzelle kommt nämlich mehr Wind, und wir laufen immer mit Rumpfgeschwindigkeit, teils sogar ein bisschen darüber. Als wir Aarhus erreichen, befindet sich über der Stadt eine weitere dunkelgraue Zelle, die diesmal aber weniger Regen, dafür um so mehr Wind enthält. Außerdem müssen wir für die Hafenansteuerung etwas anluven, so dass der stürmische Wind der Bordfrau ordentlich Respekt einflößt. Als wir wenig später das Tuch geborgen haben und in den geschützten Hafen tuckern, sind wir froh, alsbald einen Liegeplatz gefunden zu haben - diesmal etwas entfernt von der Hedda, die von dem harten Wind angesichts ihrer schweren Bauweise erheblich weniger beeindruckt war und die mit uns ungefähr zeitgleich angekommen ist.
An diesem Nachmittag machen wir nicht mehr viel. Nachdem das Schiff klar ist, untersuchen wir bei einem kurzen Rundgang die Umgebung. Wir finden einen Bäcker für den nächsten Morgen und staunen über die offensichtlich erst vor kurzer Zeit gebaute Siedlung mit zeitgemäßer Architektur. Unser heimischer Stadtfürst Kämpfer beschreibt Aarhus häufig als Vorbild für Kiel, aber wir hoffen, dass er nicht ausgerechnet dieses Viertel damit meint. Eng und hoch wird hier gebaut, wenngleich ambitioniert gestaltet, ist es schlussendlich doch eine Hochhaussiedlung, bei der die Funktionalität dem Lebenswert übergeordnet wird.

Später sitzen wir mit Moni und Andi im Cockpit der Santanita und beobachten einlaufende Boote, auch eine dänische Yacht, deren Crew unsere Blicke auffällig erwidert. Diese macht in einem angrenzenden Hafenbecken provisorisch fest und ein Crewmitglied kommt zu uns und erklärt, dass wir auf deren Liegeplatz liegen. Wir sind uns keiner Schuld bewusst, denn das Schild am Platz war grün, trotzdem müssen wir nun notgedrungen den Platz räumen. Um nicht ewig zu suchen, legen wir uns längsseits an das Ende zwischen zwei Stegen und finden das eigentlich einen noch besseren Liegeplatz als vorher. Neu vertäut setzen wir unseren gemütlichen Tagesabschluss fort und später in die Koje.

29.7.2021
Heute steht Kultur auf dem Programm. Das Wetter ist durchwachsen, sehr windig, und immer wieder ziehen Regenschauer durch. Ein perfekter Tag für einen Besuch des Museums of Modern Arts.

Wir bestaunen eine Menge toller Kunst, gerade kurz vor der Überdosis.

Der Rainbow-Walk auf dem Dach des Ausstellungshauses setzt dem Vergnügen das i-Tüpfelchen auf.

Bevor wir das Haus verlassen, durchstöbern wir noch den Museumsshop neben dem Museums-Cafe. Dort steht ein kleiner Flügel, und ein junger dänischer Pianist und Sänger unterhält die Gäste mit einigen Songs seiner Wahl. Als wollte er für uns einen Kreis schließen, spielt er "just the way you are" von Billy Joel, dessen Saxophonsolo dem Skipper seit der Abreise wie eingraviert im Ohr sitzt.
Auf dem Heimweg nehmen wir einen Schauer mit, so dass unter Deck zunächst einige Klamotten getrocknet werden müssen. Bereits aus den vergangenen Jahren sind wir perfekt in Sachen Feuchtigkeitsmanagement - man weiß ja, wo man lebt!
Die abendliche Vierer-Runde an Bord der Hedda findet aus gleichem Grund unter Deck statt. Plötzlich ist es Mitternacht und Andi hat Geburtstag. Als Ausgleich zu der dänischen Kunst gibt es jetzt Kölsche Lieder, denn Andi und Moni sind eingefleischte Karnevalisten. Der Sonnenaufgang ist nicht mehr fern, als wir leicht betäubt die Nachtruhe finden.

30.7.2021
Etwas unausgeschlafen starten wir mit Sekt und Pfannenküchlein von Andi in den Tag. Nach dem ausgiebigen gemeinsamen Frühstück beschäftigen wir uns mit den Dingen des täglichen Lebens. Aus der Heimat haben uns zwei saublöde Nachrichten erreicht, auf die wir gerne verzichtet hätten und die einigen Einsatz fordern, so gut das aus der Ferne möglich ist. Außerdem muss eingekauft werden, der Fahrtenbericht will vervollständigt werden und wir brauchen schlicht ein bisschen Ruhe, um etwas Schlaf nachzutanken.
Die Hedda-Crew ist nach eigener Aussage kurz vor einem Hafen-Koller und verkündet abends, sich am kommenden Morgen in aller Frühe gen Tunö zu verabschieden. Das ist zwar nicht weit, aber es geht recht hoch an den Wind, und für uns scheinen die Bedingungen eher kantig. Also trennen sich unsere Wege - Grund für einen kleinen Abschiedsumtrunk.

31.7.2021
Wir sind das erste Mal in Aarhus und haben von der Stadt eigentlich noch gar nicht viel gesehen, so hat die Bordfrau noch großes Interesse an dem Botanischen Garten, den wir gleich nach dem Frühstück besuchen.

Insbesondere die tropischen Gewächshäuser begeistern auch den Skipper.

Dort werden in dem künstlich hergestellten, extrem feucht-warmen Klima exotische Pflanzen gehalten, und selbst einige Schmetterlinge bewohnen das Herzstück der Anlage - toll!

Ein vorhersehbarer Schauer treibt uns 'heim'. Die neue Santanita hat sich also inzwischen als unser Zuhause etabliert, nicht nur sprachlich. Gerade auf dem Boot angekomen und unter Deck eingerichtet, scheint draußen wieder die Sonne, und wir brechen erneut zu einem Stadtrundgang auf, diesmal ziellos, bzw. in Richtung zentraler Fußgängerzone. Wir entdecken die Kanal- und Brückenlandschaft, an der sich die Kieler Städteplaner womöglich bei der Gestaltung der Kieler Pinkelrinne (Holstenfleet oder wie immer) angelehnt haben. Sehr wohl modern, aber gleichsam stumpf reiht sich Laden an Laden, Cafe an Cafe....

Es scheint als seien alle Innenstädte mit Niederlassungen der gleichen Ladenketten versorgt - uns langweilt das und es fehlt uns an echter Identität. Lediglich eine HotDog-Bude haben wir in Kiel nicht, und so hauen wir uns eine 'risted' Variante der dänischen Fastfood-Spezialität rein. Gleich danach müssen wir vor dem nächsten Schauer in ein großes Warenhaus flüchten. Das Angebot ist nicht besonders speziell, lediglich die hohen Preise sind bemerkenswert. Auf dem Weg zurück zum Hafen ("nachhause") bekommen wir erneut einen Schauer ab und beschließen, dass dies unser letzter Ausflug für diesen Tag war.

Was wir vermutlich nicht mehr ergründen werden, ist das Nachtleben der Stadt, obwohl zu vermuten ist, dass da auch 'was geht.

Erstmalig in diesem Urlaub schmeißen wir die Unterhaltungselektronik an und schauen "Apollo 13" mit Tom Hanks. Auch deren Besatzung hat Probleme auf dem Heimweg.....

1.8.2021
Jetzt gibt es kein Vertun mehr - die letzte Urlaubswoche bricht an. Bereits seit ein paar Tagen suchen wir nach einem geeigneten Wetterfenster für einen Südkurs, bislang vergeblich. Der frische bis starke Südwestwind ist wie eingemeißelt und die Regenschauer mit ihm. So wird es auch heute kommen und weil wir keine Lust darauf haben, gegen den vielen Wind an zu segeln, bleiben wir einfach noch hier - ist ja nicht schlecht hier!
Wir bekommen Besuch von einem Seglerpaar aus Warnemünde, das uns Grüße von unserem Vorbesitzer ausrichtet. Der hat sein neues Boot inzwischen auch bekommen, also müssen wir kein schlechtes Gewissen haben, einen Segler bootlos gemacht zu haben.
Den Tag bringen wir rum, indem wir uns vorbereiten für den Schlag am nächsten Tag: Wasser auffüllen, das ganze im Boot verbreitete Zeug an Ort und Stelle verbringen, etwas Kartenarbeit und dann ab in die Falle. Wir wollen morgen früh los!

2.8.2021
Indem wir aus Aarhus auslaufen und Südkurs einschlagen, machen wir es amtlich: Aarhus war der nördlichste Punkt unserer diesjährigen Sommerurlaubsreise. Doch für ausgiebige Melancholie bleibt keine Zeit: Der Westwind ist frisch und hat tatsächlich eine kleine nördliche Komponente. Die Landnähe schützt vor Wellen und so beschleunigt die Santanita durchgängig auf über sieben Knoten, auch eine knappe neun war dabei. Die Entscheidung, wie lang der Schlag werden soll, haben wir bewusst offen gelassen. Juelsminde könnte reichen, aber wenn's gut läuft, könnten wir auch nach Fredericia durchziehen. Und es läuft sehr gut - also nutzen wir die Bedingungen und segeln an Juelsminde vorbei, um südlich davon hoch an den Wind zu gehen. Auf diesem Kurs macht der Wind erheblich mehr Eindruck und die Bordfrau muss sich erst darauf einstellen, aber die Gewöhnung gelingt. Tatsächlich schaffen wir es, die nördliche Öffnung des Kleinen Belts direkt anzusteuern und müssen nicht kreuzen. Erst in der Mündung wird der Wind so hart, dass wir entschließen, die letzten Meilen mit Maschine zurückzulegen. In der Marina Fredericia-Erritsö nach knapp 50 Seemeilen angekommen, finden wir sofort einen Liegeplatz und sind ziemlich erschöpft. Nachdem das Schiff klargemacht ist, geht der nächste Gedanke in Richtung Ernährung. Das Gemüse ist schon geschnibbelt, das Wasser soll erhitzt werden, da streikt der Herd - Gas leer. Kein Problem, denn wir haben selbstverständlich eine zweite Gasflasche an Bord. Die ist allerdings leider ebenfalls leer. Da hat der Skipper gepatzt, schlechte Vorbereitung....
So kommt dabei aber ein Besuch im Hafenrestaurant heraus, ein leckerer Burger mit rustikalen Fritten und einer Aioli, die keinen Vergleich zu scheuen braucht!
Während wir im Restaurant sitzen, erinnert sich der Skipper an eine Beschreibung des Hafens in einem Hafenführer: Unruhig soll es hier sein, angesichts der direkt hinter dem Becken vorbeiführenden Straße. Das stimmt. Dass jedoch ausgerechnet heute der Asphalt dieser Straße abgetragen wird, topt die Beschreibung natürlich um Längen. Dabei dirigiert das im Konvoi hintere Fahrzeug, das den Asphalt ablöst und ihn über ein Förderband auf das vor ihm fahrende Sammelfahrzeug abwirft, per Hupsignal, um das Tempo zu synchronisieren. Ergebnis: Zehn Hupsignale pro Minute, infernaler Krach durch das Werkzeug, das den Asphalt abträgt und bestialischer Staub, der natürlich über den Hafen zieht. Die Entscheidung ist schnell gefällt: Morgen früh geht's weiter! Zum Glück ist die Straße lang und beim Verfassen dieser Zeilen ist es bald 23:00 Uhr und der Konvoi hat sich einigermaßen entfernt.

3.8.2021
Trotz des Lärms während der ganzen Nacht haben wir geschlafen wie die Murmeltiere. Die Segelei am gestrigen Tag war anstrengend genug für ohnmachtsartigen Tiefschlaf. Trotzdem wollen wir gleich wieder los, denn der Aufenthalt ist wirklich nicht attraktiv. Vorher wollen wir jedoch versuchen, zwei neue Gasflaschen zu kaufen. In gut zwei Kilometern gibt es laut Internet einen Händler, der das blaue Campingaz-Utensil verkauft. Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch sind wir vor Ort ud erfahren, dass nur die kleinen Einwegfläschchen dort verkauft werden. Auch der benachbarte Supermarkt führt nur das dänische, 'gelbe' System. Wir beißen die Zähne zusammen und versuchen es bei einem Campingausrüster, einen weiteren Kilometer entfernt. Zwischenzeitlich beginnt es leicht zu nieseln. Der Campingausrüster hat ebenfalls nur die kleinen Fläschchen im Angebot, macht aber Hoffnung, dass das Schraubgewinde unseres Schiffsanschlusses passen müsste. Wir schlagen zu und erwerben zwei dieser Minibuddeln. Auf unsere Frage nach einer Busverbindung zurück zum Hafen zuckt er mit den Schultern. Also werden wir wieder latschen müssen. Die Bordfrau ist noch ziemlich mitgenommen vom Vortag, also wird das anstrengend. Vor der Tür spricht uns aber der freundlichste aller Dänen an und bietet an, uns zum Hafen zu fahren. Wir nehmen dankbar und glücklich an. Vielen Dank, Finn! Das war wirklich großartig von Dir!
Nach dem Gasflaschenabenteuer legen wir gegen Mittag ab. Durch die Sundlandschaft rund um Midelfaart motoren wir, bis wir südlichen Kurs anlegen und der Westwind uns gut vorantreibt. Unterwegs treffen wir auf einige Schweinswale, darüber freuen wir uns immer wieder.
Wir kommen gut voran und erreichen nach viereinhalb Stunden unser Tagesziel Aaroesund. Dort verpatzt der Skipper das Anlegemanöver total. Nichts wird gefährlich und es entsteht kein Schaden, aber für die Beobachter war das ein großer Spaß.
Ein bisschen Einkauf muss sein und so machen wir uns wieder auf die Socken zum zwei Kilometer entfernten Campingplatz für ein paar Lebensmittel. Für diesen Tag haben wir unsere gesundheitsfördernden x-tausend Schritte getan!

Das Schraubgewinde der kleinen Gasflaschen passt leider nicht, und so haben wir nun zwei Minigasflaschen für den besonderen Verbrauch zu vergeben. Zum Glück war die Investition übersichtlich. Ebenfalls glücklich ist der Umstand, dass der Hafen eine Gemeinschaftsküche bietet. Dort können wir unser Gemüse erhitzen und verspeisen.

Abends in der Plicht sind wir ein bisschen betroffen, weil doch ein paar Dinge nicht so gut gelaufen sind heute. Aber für morgen steht Erholung in Aussicht!

4.8.2021
Wie angekündigt ist heute große Flaute. Nach den vielen Tagen mit starkem Wind ist das der pure Genuss. Wir hatten bereits am Abend beschlossen, einen Hafentag einzulegen. Die beiden Segeltage haben uns in sichere Erreichbarkeit der Heimat gebracht, schließlich müssen wir auch wieder termingerecht in Kiel sein. Da besteht jetzt kein Anlass mehr zur Sorge und so können wir einen Tag hier bleiben.
An Aaroesund sind wir schon einige Male vorbei gesegelt und haben jedes Mal gedacht, dass es dort bestimmt recht idyllisch sein müsste. Dieser Eindruck bestätigt sich. Wir machen einen ausgiebigen Spaziergang und baden kurz am Strand.

Die Sonne verwöhnt uns und wir wünschten uns, dass es so bleibt, wir keinen Zeitdruck hätten und wir einfach bleiben könnten. Doch inmitten der Träumerei holt uns die Realität wieder ein: Ein Blick auf die Wettervorhersage zeigt, dass bis zum Beginn der kommenden Woche wieder sehr verschiedene Bedingungen zu erwarten sind, und so reift unser Plan für die Rückreise zu einem ziemlich konkreten Bild....

5.8.2021
Heute soll es moderat aus Südost wehen und nach 10:00 Uhr auch nicht mehr regnen, also wählen wir diesen Zeitpunkt für die Abreise. Ursprünglich wollten wir noch in die Dyvig, doch für den kommenden Tag ist schon wieder ordentlich Starkwind angesagt, so dass wir zu einem weiteren Hafentag gezwungen sein werden. Also wollen wir weiter an den Heimathafen heran, um diesen nötigenfalls an einem Tag erreichen zu können - das Ziel heißt Höruphav. Wir segeln toll schnell in Richtung Alsfjord, können dort gepflegt aufkreuzen bis zum Alssund und diesen problemlos hoch am Wind runter segeln. Wir suchen uns ein Anwesen am Ufer aus und denken, dass man dort gut leben könnte.


Die Öffnung der Klappbrücke in Sonderborg verpassen wir knapp, und so machen wir uns für eine Dreiviertelstunde provisorisch nur mit einer Vorleine an einem freistehenden Dalben fest. Die Segelei bis hierhin war dynamisch, aber jetzt kehrt Ruhe ein. Doch nach der Durchfahrt durch die Brücke gelangen wir direkt auf die offenene Sonderborgbucht und dort weht es nicht nur ganz ordentlich, sondern es steht auch eine hübsche Welle, die sich auf dem langen Weg über die freie Ostsee gut aufbauen kann. Die Bordfrau ist von dieser Umstellung leicht überfordert. Zum Glück ist der Schlag nach Hörup nicht weit und wir müssen nur einmal wenden. Im Hafen fest (erstmals mit dem Heck zum Steg, um die Sonne im Cockpit zu haben) arrangiert der Skipper das Abendessen durch einen schnellen Einkauf, während die Bordfrau unter einer heißen Dusche Entspannung findet. Beide Maßnahmen zusammen stellen wieder Urlaubsgefühl her.
Obwohl die Segelfee den Aaroesund als schönstes Reiseziel unseres Segelurlaubs bewertet hat, lieben wir Höruphav sehr. Seit letztem Jahr geistert hier allerdings ein Hafenkasper über die Stege, der alle Sportkameraden mit total überflüssigen Informationen überschüttet, hauptsächlich über sich und seine unglaublichen Fähigkeiten. Wir sind dem Gespann (er hat immer einen Trabanten schräg hinter sich) bereits letztes Jahr begegnet und so können wir dem Rechtsanwalt (so erklärte er uns und 'heißt' deshalb in unserem Mund nun so) und seinem Sekretär (passend zur ersten Beschreibung) offensiv aus dem Weg gehen und Zeitverschwendung vermeiden.

6.8.2021
Bereits beim Aufwachen pfeift der Wind in den Masten, oder sind wir davon aufgewacht? Trotz des vielen Windes, der im Verlauf des Tages weiter zunimmt, ist die Luft warm und die Sonne scheint. Wir nehmen das Frühstück im Cockpit und freuen uns über jeden Krümel, den wir in den Mund bekommen, bevor er uns vom Teller weht.
Der Spaziergang ins Landesinnere führt innerhalb von hundert Metern in den Windschutz, und dort ist es sehr sommerlich warm. Wir marschieren in das drei Kilometer entfernte Hörup, also den eigentlichen Dorfkern - dort, wo die Kirche steht.

Dieser Punkt ist leicht erhöht und man kann bis Augustenborg schauen. Auf dem Rückweg schauen wir nochmal im Supermarkt rein - ein wahres Shoppingparadies im Vergleich zu dem Campingplatzhöker von Aaroesund. Wir überlegen, welche Produkte wir ins Heimatland importieren wollen, die uns die zuhause vertrauten Supermärkte vorenthalten. Da gibt es schon ein paar Spezialitäten....
Da uns nach wie vor das Gas an Bord zum Kochen fehlt, schauen wir bei der lokalen Pizzabude rein. Wirklich lecker ist es nicht, aber wir sind satt und vorbereitet, um uns unter Deck zu verkriechen, denn am Abend soll es ziemlich regnen. Und dann, als wir auf dem Steg stehen und mit der Nachbarin über Wetterportale und deren Zuverlässigkeit sprechen, kommt die Kaltfront mit geradezu bilderbuchartiger Ausprägung. Eine dicke, schwarzgraue Walze schiebt sich von Südwest auf Hörup zu, dahinter sehen wir Blitze. Der Wind hat sich bis zu diesem Augenblick im Hafen auf bis zu 25 Knoten aufgebaut. Dann, ganz plötzlich, als die Walze greifbar nahe scheint, fällt die Temperatur um bestimmt 5 Grad und der Wind ist wie ausgeschaltet. Wenige Minuten später schüttet es aus Eimern. Ein beeindruckendes Naturschauspiel!

7.8.2021
Der Tag der Heimreise. Zum ersten Mal seit drei Wochen stellen wir uns den Wecker. Die Wetterfrösche prognostizieren für den frühen Nachmittag starken Regen mit nachfolgend unangenehm starken Wind. Um dem nicht zu begegnen, wollen wir früh los, und zu diesem Zweck klingelt der Wecker um 6:30 Uhr. Fix fertig gemacht, ein kleines Frühstück, eine kurze Verabschiedung von Liegeplatznachbarn, und los geht die Fahrt. In der Bucht vor Hörup ist kein Wind und so motoren wir die erste halbe Stunde. Außerhalb gibt es eine Brise, die unser Boot auf 5 Knoten antreibt, glücklicherweise steht keine übrig gebliebene Welle von den heftigen Winden des Vortags. So kommen wir recht hoch am Wind vorbei an Kalkgrund und Falshöft. Zwischenzeitlich ist die Sonne herausgekommen und eine dicke graue Wolke hat sich vertreiben lassen. Das Segeln macht Spaß, auch, als wir härter an den Wind müssen, um nahezu Südkurs zu fahren. Wir erreichen die Nordwest-Tonne des Sperrgebietes Schönhagen nach der ersten Wende und kreuzen mit zwei Schlägen zwischen der Küste und dem Sperrgebiet in Richtung Eckernförder Bucht. Bis hier hin hat alles toll geklappt. Gegen 13:00 Uhr hätte der Regen aufziehen sollen, aber mit Blick gen Süden zeigen sich nur einige Quellwolken, die nicht nach Niederschlag aussehen. Am Beginn der Eckernförder Bucht sammelt sich der Wind ein bisschen und wir müssen etwas fieren, aber das Sperrgebiet ist passiert und wir können zur Überraschung des Skippers Bülk direkt anlegen. Aus der Bucht kommt etwas mehr Wind als während der Fahrt an der Küste entlang. So laufen wir zeitweise 7 Knoten und es wächst die Zuversicht, ohne Regen in Schilksee anzukommen. Tatsächlich gelingt dies, obwohl kurz hinter Bülk der Wind einschläft - ausgerechnet dort, wo wir uns bereits einige Male über besondere, stärkere Windsituationen gewundert haben.

Fest am Liegeplatz lassen wir uns begrüßen und machen das Boot klar. Direkt nachdem die letzte Leine aufgeräumt ist, geht ein ansehnlicher Schauer mit tüchtig Wind durch den Hafen - perfektes Timing.

Das geschätzte Restaurant "Möwenschiss" wird uns am Abend verköstigen und wir verbringen die letzte Urlaubsnacht an Bord. Die neue Santanita ist nun unsere zweite Heimat.

Fin.

29.6.2021 - Frühjahrszwischenbilanz

Inzwischen ist der Juni fast vergangen, die Sommersonnenwende war vor einer Woche, und erschreckenderweise werden dementsprechend die Tage schon wieder kürzer.

Gefühlte Tausend Freunde, Vereinskameraden und andere Interessierte haben das Boot besichtigt und langsam kehrt etwas Ruhe an Bord ein. Einige Baustellen haben wir angegangen, so gibt es jetzt neue Aufbewahrungsboxen für Socken usw, zusätzliche Kissen, einen neuen Cockpittisch und eine gute Ordnung für die gesamte Ausrüstung. Es gibt einen neuen Cunningham, Ruckdämpfer in den Festmachern, eine 'Mini-Spring' für die schnelle Sicherung im Rahmen des Anlegemanövers in der heimischen Box und noch einiges mehr.

Die neue Santanita hat diverse kleine Wochenend-Törns hinter sich, Damp, Marstal, Søby. Wir haben schon eine gewisse Routine im Umgang entwickelt, selbst der Genacker wurde unter verschiedenen Bedingungen erprobt - nicht nur mit gutem Ergebnis. Die Erfahrungen sammeln sich und wir haben riesigen Spaß mit jeder Stunde, die wir an Bord verbringen.

Nun stehen die Urlaubsvorbereitungen an: Erste Getränke sind gebunkert und die Vorfreude wächst. Mitte Juli soll es losgehen!

23.4.2021 - Überführung in den neuen Heimathafen

Im März 2021 fiel die Kaufentscheidung. Schon wenige Wochen später sollte die neue Santanita in ihren neuen Heimathafen überführt werden. Bordfrau und Skipper reisten am Nachmittag des Freitags, den 23. April 2021 zum Stadthafen in Rostock. Nach einer Verabschiedung vom Voreigner haben wir noch an diesem Abend die Meilen nach Warnemünde mit Maschinenkraft hinter uns gebracht, denn am kommenden Tag sollte eine lange Strecke bewältigt werden - jede bereits zurückgelegte Meile würde dieses Projekt erleichtern. Die Nacht verbrachten wir im Yachthafen Hohe Düne, obwohl eigentlich die Mittelmole unser Ziel war. Der Hafen dort war aber eine Baustelle, so dass wir in Hohe Düne unterkommen mussten, obwohl wir nach einer schamlosen Ausbeutung (Verdopplung der Preise zur HanseSail 2019) dort nicht mehr festmachen wollten. Naja, für die Nachtstunden haben wir's ertragen....

Am Samstagmorgen haben wir es durchgezogen: Die Bordfrau hatte das Catering perfekt vorbereitet und eine Thermosflasche mit heißem Wasser sollte für Aufwärmung sorgen. Der Skipper hatte die Route ausgearbeitet und die Bordelektronik entsprechend vorbereitet. Was bislang nicht ausprobiert wurde: Mit dem neuen Boot zu segeln! Die Bedingungen waren nicht optimal: Der Wind kam exakt aus der Richtung, in die wir fahren wollten. Außerdem war es lausig kalt. Um uns gegen die 3° C zu schützen, legten wir alles an Kleidung an, was unter das schwere Ölzeug passt, Wollmütze und dicke Seestiefel sowieso.

Nach der Ausfahrt aus dem Hafen haben wir dann zum ersten Mal die Segel gesetzt und einen Kurs hoch am Wind gesucht, der uns einerseits dem Ziel näher bringt, aber auch genug Geschwindigkeit erzeugt, um das Ziel auch in angemessener Zeit zu erreichen - das würde eine lange Kreuz werden. Schon bald lernten wir die Qualität des Autopiloten schätzen, denn hinter dem Steuerrad ist man dem kalten Wind natürlich total schutzlos ausgeliefert.

Den ersten Plan, mit vielen kleinen Schlägen vom direkten Kurs nur gering abzuweichen, haben wir bald verworfen. Und so sind wir auf einem langen Schlag nordwärts gesegelt, bis die Mobiltelefone die Roaminggebühren des dänischen Mobilfunkanbieters angezeigt haben. Erst dann war es Zeit nach Westen zu wenden.

Nach Verlassen der Küstennähe frischte der Wind auf zu straffen 5 Beaufort, etwas mehr, als wir uns für die Überführung gewünscht hätten. Spätestens jetzt freuten wir uns über die Ausstattung des Boots mit einer Sprayhood. Nicht nur der straffe Wind von vorn, sondern auch diverse Ladungen Gischt wurden durch das kleine Stück Stoff abgehalten.

 

An dieser Stelle hinterlässt der Skipper Worte der größten Hochachtung an die Bordfrau: Diese hatte sich trotz mehrfacher Warnung der Tortur unterzogen mit dem Grund, hinterher mit dem Bewusstsein zu leben, dabei gewesen zu sein. Das findet der Skipper großartig!

Der Schlag über die Mecklenburger Bucht war anstrengend und zehrend, so schlagen wir uns am Liegeplatz die Bäuche voll und fallen quasi augenblicklich in tiefen Schlaf.

Am nächsten Morgen verlassen wir den Hafen und sehen noch ein Starkregengebiet hinter uns gen Osten abziehen. Weil Sonntag ist, sind auf der Hohwachterbucht die militärischen Sperrgebiete frei befahrbar - keine Schießübungen am Wochenende. Der Nordwind soll im Verlauf des Tages auf Nordwest drehen, und so laufen wir von Beginn der Fahrt eher etwas höher, um später abfallen zu können und trotzdem ohne Kreuz an der Landspitze von Stein vorbei zu kommen. Das gelingt, aber das AIS zeichnet die Route nicht auf. Vermutlich wird das GPS im Schießgebiet von der Bundesmarine gestört.

Das befreundete Seglerpaar von der Yacht Hedda segelt uns entgegen und wir treffen uns vor Stein. Die Hedda hat ebenfalls in diesem Frühjahr den Eigner gewechselt und so entstehen von beiden Booten erstmals Fotos unter Segeln.

In Schilksee angekommen fallen wir uns erschöpft aber sehr glücklich in die Arme. Glücklicherweise passt die neue Santanita gerade eben in die angestammte Box. Viele Freunde und Vereinskameraden nehmen uns in Empfang und sofort wird das Boot begutachtet. Die Freunde von der Hedda besuchen uns und wir nehmen ein Getränk zur Feier der gelungenen Überführung. Das erste Abenteuer ist gemacht und die Erinnerung wird bleiben!

 

8.5.2021 - Ansegeln

Zwei Wochen nach der Überführung lud unser verein, der TSV Schilksee zum Ansegeln. Gemeinsam mit dem Schilksser Yacht Club machten sich rund 35 Yachten auf den Kurs um das Kieler Leuchtfeuer. Die in Bereitschaft auf dem Stützpunkt stationierten Lotsen waren sicherlich ziemlich überrascht, als plötzlich eine ansehnliche Flotte nahezu zeitgleich das Seezeichen erreichten und umrundeten.

Der schwache Nordwestwind ließ die Santanita-Crew das erste Mal den den Gennaker auspacken. Schließlich wollten wir uns zeigen und für prima Fotos von den Sportkameraden eine attraktive Figur machen. Der Wind war so schwach, dass der Turbo kaum zünden konnte - der abgebildete Kurs lässt das Geeier erahnen. Allenfalls in den seltenen Böen entstand eine Ahnung, was passieren könnte, wenn etwas mehr Bewegung in der Luft wäre. Wir sind sehr gespannt auf die nächste, bessere Gelegenheit!