Källö-Knippla
Die achte Woche begann, wie die siebte endete, mit Sturm und Regen - und hinter der Kaimauer. Wir wurden tüchtig durchgeschüttelt, konnten aber dennoch einigermaßen gut schlafen.
Ein etwas ausgiebiger Spaziergang über die Insel in einer längeren Trockenphase war auch möglich. Da zeigte die Insel ihr ganzes Flair und wir beschlossen, dass dieser Ort mit Fiskebäckskil zu unseren schönsten Hafen-Funden zählt. Ein ausgewiesener Spazierweg führte zu einem Aussichtspunkt mit sagenhaftem Rundblick über das Inselarchipel vor Göteborg mit dem noch immer aufgewühlten Wasser.
Nach den stürmischen Tagen leerte sich der Hafen rapide. Die ersten segelbaren Stunden wurden von allen genutzt, die entweder auf der Reise gen Norden waren oder in nahegelegene Heimatorte zurück mussten. Zu beiden Gruppen gehörten wir nicht. Unsere Idee war der Schlag nach Laesö, wobei sich dafür absehbar kein geeigneter Wind bot. Also blieben wir. Källö-Knippla schien uns sehr geeignet, um einige Zeit hier zu verbringen. Als wollten wir unseren Aufenthalt untermauern, unternahmen wir einen Tagesausflug mit den kostenfreien Fähren auf zwei umliegende Inseln und schauten uns die Häfen dort an. Weder Rörö noch Hybbeln weckten unser Interesse.
Viel zu schreiben gab es dadurch allerdings für den Reisebericht nicht. Das Seglerpaar, das wir in Almösund getroffen hatten, lief irgendwann ebenfalls in Källö-Knippla ein. Gemeinsam besuchten wir am Samstagabend das Entertainmentspektakel des Wochenendes an der Hafenkneipe: Eine wuchtige Sangesdame mit auffallendem Schuhwerk präsentierte schwedische und internationale Hits - begleitet vom iPad. Nicht nur dem Skipper schien das wenig musisch, und weil es auch kühl und zugig war, haben wir dem Unterhaltungsprogramm nicht bis zum Ende beigewohnt.
Neben der Hafenkneipe gibt es eine Anlage, auf der Boule gespielt wurde. Der Begriff 'Spiel' trifft hier aber nicht mehr zu. Hier wurde ernst gemacht. Mehrere Mannschaften boulten auf mehreren Bahnen, die Abstände der Bälle wurden sorgfältig mit einem Maßband vermessen, ein Kommentator verkündete die Entwicklung und Ergebnisse über eine Lautsprecheranlage.
Die Insel wird von 300 Menschen bewohnt. Durch unseren langen Aufenthalt trafen wir einige davon mehrfach. So stand zum Beispiel die Gewinnerin des Boule-Turniers am Tag drauf bei Coop als Mitarbeiterin an der Kasse.
Am Samstagabend gab's einen tollen Vollmond. Wir hofften, dass der auch eine Wetteränderung mit sich bringt. Was passieren kann, wenn man bei zu viel Wind zu viel Textil an den Mast hängt, zeigten uns am Sonntag die Profis vor Kiel beim Start des Ocean Race Europe. Ein Blick auf das aufgewühlte Skagerrak vor 'unserer' kleinen Insel zeigte glasklar, dass wir im Hafen bleiben sollten.
Und sonst noch...
In den heimischen Gefilden sammelte sich vor Abreise ein Fachzeitschriftenstapel aus einem Abonnement. Um diesen Stapel abzubauen, wurde er mit auf die Fahrt genommen. Während der Starkwindphasen konnten tatsächlich einige Hefte, deren Inhalt den Skipper wirklich interessieren, verarbeitet werden. Gleichzeitig häuft sich daheim wieder neues Material an. Mal sehen, wie am Ende die Bilanz ausfällt.
Während unserer Reise erleben wir natürlich viele kleine Dinge, die in diesem Bericht (bislang) unerwähnt bleiben. Hier ein paar Beispiele:
Seit wir an der schwedischen Westküste sind, treffen wir überall wilde Gänse. Die treten typischerweise in kleinen Gruppen auf und sind - im Gegensatz zu unseren heimischen Enten und Schwänen - total unverdorben. Das erkennen wir daran, dass sie zwar, von irgendwelchen Signalen, die wir aussenden, angezogen werden und sternförmig auf unser Boot zu schwimmen, aber ein zugeworfenes Brotstückchen erkennen sie nicht als Häppchen und schwimmen einfach dran vorbei. Verglichen mit unseren gierigen Schnabelviechern zuhause wirken sie geradezu naiv.
Außerdem ist uns ein großer, langbeiniger Vogel aufgefallen, der ein bisschen wie ein Kranich aussieht, tatsächlich aber ein Graureiher ist.
Von unseren Ausflügen haben wir ein bisschen Botanik eingesammelt und schmuckvoll an den Mast unter Deck geknüpft. Paradoxerweise hat der Skipper damit angefangen, obwohl eigentlich die Bordfrau diese Profession verfolgt (hat).